Mit tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Philipp Hiemenz, der am Mittwoch, den 5. August 2026, im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Mit ihm verlieren wir nicht nur unseren Rekordspieler und unser dienstältestes Mitglied, wir verlieren ein Stück unserer eigenen Geschichte.
Wer Philipp kannte, kannte einen Mann, der nie wirklich vom Fußball loskam, auch nicht, als seine aktive Zeit längst vorbei war. Noch mit 90 Jahren saß er zu Hause an seinem Tisch, blätterte in fein säuberlich archivierten Zeitungsausschnitten aus über sieben Jahrzehnten Hassia-Geschichte und konnte jede Anekdote so erzählen, als sei sie gestern passiert. Diese Liebe zum Verein, zu seinem Verein, war das, was ihn ausmachte.
Seit seinem Eintritt am 1. Oktober 1945, mitten in den Trümmern der Nachkriegszeit, gehörte Philipp der Hassia mehr als 80 Jahre lang an. Mit fast 800 Spielen für die erste Mannschaft ist und bleibt er unser Rekordspieler, und das Besondere daran: Jedes einzelne dieser Spiele bestritt er im blau-weißen Trikot. Keine Ausleihe, kein Wechsel, keine Zwischenstation. Eine Treue, die es im heutigen Fußball schlicht nicht mehr gibt.
Dabei hätte sein Weg ganz anders verlaufen können. Schon als junger Spieler war er so auffällig gut, technisch stark, schnell, ein echter Freistoß-Spezialist, dass Schalke 04, Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt auf ihn aufmerksam wurden. Er trainierte in Mönchengladbach, spielte für Eintracht Frankfurt ein Testspiel vor rund 3.000 Zuschauern. Der Sprung in den großen Fußball lag zum Greifen nah.
Doch Philipp entschied sich anders. Seine Mutter soll ihm damals, als das Angebot aus Schalke auf dem Tisch lag, unter Tränen gesagt haben, er könne Dieburg nicht verlassen. Eine Geschichte, die man sich in Dieburg noch heute mit einem Lächeln erzählt, weil sie so viel über den Menschen Philipp Hiemenz verrät: Seine Familie, seine Heimat und seine Hassia waren ihm wichtiger als jede große Karriere.
Von der Weltausstellung 1958 in Brüssel, wohin er mit dem Verein reiste, erinnerte er sich noch Jahrzehnte später an eine Kleinigkeit, die zeigt, wie sehr ihm solche Momente ans Herz gewachsen waren: den ersten Cappuccino seines Lebens, den er dort trank.
Auf dem Platz war er kompromisslos, giftig im besten Sinne, und immer bereit, alles für seine Mannschaft zu geben. Er prägte den Wiederaufbau nach dem Krieg, die erfolgreichen 1950er-Jahre, den Wiederaufstieg in die 2. Amateurliga und 1968/69 die Meisterschaft mit Aufstieg in die Bezirksklasse. 1957 vertrat er die Auswahl bei den Deutschen Amateurmeisterschaften. Auch nach seiner aktiven Zeit blieb er dem Fußball als Trainer treu und gab weiter, was er selbst gelernt hatte.
Weggefährten wie sein langjähriger Freund Hans Weber, mit dem ihn eine besondere Verbundenheit auf und neben dem Platz verband, beschreiben ihn als streitbaren, aber zutiefst positiven Menschen. Einer, der leidenschaftlich diskutierte, seine Meinung mit Nachdruck vertrat und nicht gerne nachgab, der aber genauso zuhören konnte und andere Standpunkte gelten ließ.
Außerhalb des Sportplatzes war Philipp vielen Dieburgern als Briefträger bekannt. 38 Jahre lang war er bei der Post, verlässlich, pflichtbewusst, ein Mann, auf den man sich verlassen konnte. Genau diese Eigenschaften zeichneten ihn auch als Vereinsmitglied aus.
Nahezu 800 Spiele. Mehr als 80 Jahre Mitgliedschaft. Eine lebenslange Verbundenheit zu Blau und Weiß, die er nie infrage gestellt hat, obwohl er es gekonnt hätte. Philipp Hiemenz war nicht nur ein herausragender Fußballer. Er war die Hassia, gelebt über acht Jahrzehnte.
Wir verneigen uns vor seinem Lebenswerk und werden sein Andenken in Ehren halten. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Angehörigen, seinen Freunden und all den Weggefährten, die ihn über so viele Jahre begleitet haben.
Ruhe in Frieden, Philipp. Du bleibst für immer ein Teil unserer Hassia.
SC Hassia 1913 e.V. Dieburg
Vorstand, Mitglieder und die gesamte Hassia-Familie
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Die Trauerfeier findet am Dienstag, den 18. August 2026, um 10:30 Uhr statt.